Montag, 13. April 2026

Gestrandeter Buckelwal: Bergung durch Rettungsteam "Hope"

Anfang März 2026 hatte sich ein Buckelwal in der Ostsee mehrmals in Netzen verheddert und war vier Mal an verschiedenen Stellen gestrandet. Es gelang nicht, die Netzreste vollständig aus dem Maul zu entfernen. Seit 31. März lag er vor der Insel Poel in der Kirchsee, auf News5 live rund um die Uhr zu beobachten. Am 28.4. startete der Rücktransport Richtung Nordsee in einem Transportschiff der SET Werft aus Tangermünde.

Um den Verlauf der Ereignisse nachvollziehen zu können, ist es empfehlenswert, https://de.wikipedia.org/wiki/Timmy_(Buckelwal) vollständig zu lesen, insbesondere die Rezeption in diversen Medien sowie die Interpretation verschiedener Wissenschaftler*Innen: https://de.wikipedia.org/wiki/Timmy_(Buckelwal)#Rezeption

Das inzwischen stark modifizierte Konzept der privaten Rettungsorganisation "Hope", ihn zu bergen und in Obhut zu nehmen, wurde genehmigt, wie Minister Dr.Backhaus auf der PK vom 15.4.26 bekanntgab. Die Verantwortung ging von der Regierung Mecklenburg-Vorpommerns an die Privatinitiative über. Der Buckelwal soll langfristig über die Nordsee in den Atlantik überführt werden. 

Der bisherige Plan verzögerte sich durch die Neuartigkeit der Situation, erneutes Freischwimmen, Wetter, Wasserstand, personelle Querelen und Neubesetzungen, Kommunikationsprobleme, Krankheitsfälle und diverse bürokratische Hürden. Fehlende Zulassungen blockierten die ursprünglich erdachte Technik aus Luftkissen zum pneumatischen Anheben und einem Pontonsystem mit Netz oder Plane mit geringer Lärm- und Vibrationsbelastung. 

Koordiniert vom Unternehmer und Taucher Fred Babbel wurde eine Rinne gegraben. Sie ist 110 Meter lang, 10 Meter breit und ca. 2 Meter tief. Im März hatte das Rinne graben an anderer Stelle schon einmal funktioniert.

 

Inzwischen wurde der Wal mit der Unterstützung durch die Rettungsorganisation, die DLRG und viele weitere Hilfskräfte durch die Rinne in eine Barge bugsiert, er schwamm selbständig in dieses Lastschiff und befindet sich nun auf dem Weg Richtung Nordsee. https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/ostsee-wal-vor-poel-abtransport-aus-kirchsee-gestartet,wal-180.html 


 

https://www.zdfheute.de/panorama/wal-timmy-ostsee-liveblog-100.html 

Durch die erneute Befreiung des Wals am 28.4.2026 ändert sich die fast schon parasoziale Interaktion: Jetzt geht es zurück in die Gewässer, die der Buckelwal kennt.

Begleitet wurde das Medienspektakel von einem morbid wirkenden Pessimismus diverser Wissenschaftler, offizieller Verbände und Organisationen, die den baldigen Tod des Wals voraussagten. Diese wurden jedoch durch immer wieder durch Befreiungsversuche, Zeichen von Vitalität und Lebensmut eines besseren belehrt. Das war Dünger für eine verschwörungstheoretische Agenda und Stimmungsmache für politische Agitation mit einer vereinfachenden Benennung von Schuldigen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Timmy_(Buckelwal)#Verschw%C3%B6rungstheorien 

Die Wissenschaftskommunikation in dieser Angelegenheit bekommt leider trotzdem einen kleinen Minuspunkt: Refloating kann funktionieren, wenn auch in diesem Fall verspätet.

Auf Wikipedia begann vor kurzem eine kleine Diskussion zur Qualifikation von Experten: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Timmy_(Buckelwal)#Die_Aussagen_der_sogenannten_Experten 

Der runterziehend pessimistische Ton läßt auch nicht nach: https://www.n-tv.de/panorama/Experten-Ostsee-Wal-wird-wohl-im-tiefen-Wasser-sterben-id30767593.html 

Andererseits würde er im Transport-Kahn singen?! https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/hat-heute-nacht-gesungen-buckelwal-timmy-soll-es-im-transport-kahn-sehr-gut-gehen-15530507.html 

https://www.stern.de/panorama/buckelwal-auf-dem-weg-in-die-freiheit---hier-singt-er-im-rettungskahn-37354244.html 

Wo sind die "Gesänge der Buckelwale" CD's aus den 90ern geblieben? 

Kann ein*e ernstzunehmende*r Tierkommunikator*In denn mal den Inhalt der Gesänge entschlüsseln? Besingt er melancholisch Vorahnungen des Todes oder Freude über größere Freiheitsgrade? Der Protagonist wurde in den NEWS5-Livekanal begleitenden Chats oft anthropomorphistisch (vermenschlichend) dargestellt, das verzerrt zusätzlich die Realität ähnlich dem Stil der TV-Dokus über Zootiere. 

Die ständigen Zwischenfälle, Neubesetzungen, Streitereien, Bemühungen um absolut juristische Korrektheit, unerwarteten Wendungen und Zeitverzögerungen lieferten dem Erzählschema der Meeresbiologie die Zutaten der dramaturgischen Struktur aus Katharsis, Plot Twists, nervenaufreibenden Spannungsbögen und anstrengenden Cliffhangern, die das symbolische Psychodrama um die mediale Identifikationsfigur für psychologische Projektionen in der nicht wirklich tierlieben Aufmerksamkeitsökonomie unerträglich zäh machten, inmitten von Reichweiten von Influencern (ebenfalls in parasozialer Interaktion mit User*Innen), Klickraten per framing, Einschaltquoten. Diese virtuelle Tierliebe endet in den Kämpfen um Walfangquoten.

Was macht den Buckelwal Timmy so besonders, daß über ihn mehr als über die hunderten anderen Wale berichtet wird, die täglich weltweit durch Kollisionen mit Fischereigeräten als Beifang sterben? Ein Grund ist die Seltenheit eines solchen Ereignisses. Er hat somit ein Alleinstellungsmerkmal, das ein scoop braucht.

Wird eine derart kanalisierte Empathie für medial unterrepräsentierte Strandungen in Zukunft hunderte Wale täglich davor retten, als "Beifang" geopfert zu werden? 

Noch immer ist nicht exakt geklärt, wieso der Buckelwal überhaupt in die Ostsee schwamm und mehrmals strandete. Viele Faktoren sind im jeweiligen Einzelfall diverser Strandungen denkbar: Gesundheitszustand durch Verletzungsfolgen, Verhaltensbiologie, Kontamination von Nahrungsketten, klimatische Veränderungen, Stress durch Lärm von Schiffen oder Militärsonaren, Störung des Magnetsinns, Fehlnavigation, Topographie, Küstenform 

Das Szenario funktioniert u.a. nach den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie, mehrere Beteiligte haben bereits versucht, Ihr eigenes Ego in diesem Rampenlicht zu sonnen. 

Zur Vorgeschichte: 

Das Umweltministerium legte am 11.4.26 ein inhaltlich dünnes Gutachten vor. Untermauert von Prämissen des https://bdmlr.org.uk/statement-stranded-humpback-whale-in-germany und des https://iwc.int/resources/news/iwc-strandings-expert-panel-statement-on-humpback-whale-baltic-sea-germany wurde zuvor fälschlicherweise ein "in Ruhe sterben lassen" des Wals abgeleitet, anstatt trotz Schmerzen einen Transport zu wagen oder sein freischwimmen z.B. per Bagger zu unterstützen. (Personelle Verflechtung: Prof. U.Siebert gehört ITAW und IWC an)

Das Gegengutachten (archivierte Version) der Organisation "Stranded no more" widerlegte nach wissenschaftlicher Prüfung das offizielle Gutachten des DMM/ITAW-Berichts detailliert in mehreren Punkten und kam zu einem gänzlich anderen Ergebnis: 

Zusammenfassung der wesentlichen Kritikpunkte der anonymen Gruppe "Strandednomore":

-Fragwürdige Methodik der Ferndiagnose: Keine Blutprobe, weder Biopsie noch Ultraschall, keine Urinanalyse, keine nähere Thermografie, keine mikrobiologischen, virologischen oder Biotoxin-Screenings. Das Gutachten nutzte nicht alle verfügbaren Methoden zur Beurteilung des Zustands des Tieres. 
 
-Das Gutachten folgt nicht den besten verfügbaren evidenzbasierten Praktiken, Protokollen oder Empfehlungen. Fachkundige Quellen wie  
  • Technischer Bericht der Woods Hole Oceanographic Institution WHOI-2024-05
  • NRE Tasmania Cetacean Incident Manual (2022)
  • NOAA-Fallbericht NY4236-1 
werden nicht zu Rate gezogen  
 
-Das Gutachten zeugt von mangelnder Kenntnis der Walanatomie und der Mechanismen der Verstrickung von Buckelwalen. ITAW ist nicht im Einklang mit 
Cassoff, Moore, Werth, Robbins und den Entwirrungsrichtlinien der NOAA/NMFS
 
-Das Gutachten zeugt von Unkenntnis der veröffentlichten zeitgenössischen Rettungsprotokolle wie Thalmann, Gales, Greenwood und Gedamke (2008) und dem Artikel in Marine Mammal Science, NRE Tas 2022, Vol. 2, p. 25 
Aus diesen geht hervor, daß ein wieder schwimmfähig-machen des Wals sehr wohl möglich ist. 
 
-Das Gutachten zeigt begrenzte Kenntnisse über Hautschäden und die Hautheilungsfähigkeit von Walen und Delfinen und zieht Schlussfolgerungen über innere Organe, deren Wirkungsmechanismus nicht dokumentiert ist.

-Lautäußerungen und Atmung wurden nicht thematisiert.
 
-Ein hängender Kiefer wurde nicht beobachtet, stattdessen freie Flossenbewegungen und aktive Kopfbewegungen. Das deutet nicht auf ein sterbendes Tier hin. 
 
-Das Gutachten verweigerte die Hilfeleistung aufgrund fehlerhafter Schlussfolgerungen, begrenzter Kenntnisse und vager Einschätzungen, die nicht hundertprozentig sicher sind, und wurde dann zur Rechtfertigung einer Rechtsgestaltung herangezogen, die den üblichen Sinn des Tierrechts ins Gegenteil verkehrt.
 
-Das Framing des Ministeriums zielt auf Unrettbarkeit ab, obwohl eine Rettung durchaus möglich wäre.  
 
Die Diplom-Biologin und Wissenschafts-Journalistin Bettina Wurche, die mit Ihrer langjährigen Erfahrung mit Walen das Gegengutachten unter die Lupe genommen hat, stellt jedoch die Kompetenz von strandednomore anhand mehrerer grober inhaltlicher Fehler generell in Frage: 

Kurz zusammengefasste Kritik von B.Wurche an "Stranded no more":

-Fehlende Sachkenntnis zu Pottwalstrandungen in der Nordsee

-Statistiken mit willkürlich herausgegriffenen Zahlen ohne Quellenangaben und Sachverstand, z.B. Refloating-Verhältnis Tansania zu Australien & Neuseeland

-Direkte Beschuldigungen namentlich genannter Wissenschaftler:innen

-Falsche Belege für Ignoranz von ITAW und DMM

-Fehlerbehaftete automatische Übersetzung als Argumentationsgrundlage

-Bzgl. Refloating keine Vergleichbarkeit von kleinen Walen Nähe Australien/Neuseeland mit Buckelwal in Ostsee

-Cherrypicking, Relativieren der Verletzungen von "Timmy"

-Unpassendes Zitat von J.Robbins(2025)/ nicht gestrandete verhedderte Glattwale vs. Fischereinetzen entkommener, gestrandeter Buckelwal

-Volle klinische Untersuchung des gestrandeten Wals unrealistisch

-Verschwörungsmythen: etablierte Institutionen werden als Kartell bezeichnet

-Ausblenden der Tatsache, daß NGOs und große Organisationen in negativer Prognose übereinstimmen 
 
Die auf einmal auch gegen aktuellere Rettungsversuche rebellierende Strandednomore-Website ist derzeit down, die Facebookpage ist "momentan nicht verfügbar".  

 
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Zuvor angedachte und wieder verworfene Techniken zur Rettung des Tiers:

 

 

Weitere Berichte und Initiativen: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Walstrandung 

https://nationalgeographic.de/tiere/2026/04/warum-stranden-wale

Tierrechtsaktivistin Silke Ruthenberg setzt sich seit einiger Zeit vehement auf fb für Timmy ein und vernachlässigt dafür sogar andere Projekte: https://www.facebook.com/people/Silke-Ruthenberg/100014936207135/

https://de.wikipedia.org/wiki/Wale_in_der_Ostsee 

https://www.zdfheute.de/panorama/rettungsversuch-buckelwal-private-initiative-100.html 

https://www.zdfheute.de/panorama/wal-timmy-ostsee-liveblog-100.html 

Interview mit dem Cheftaucher und Unternehmer Fred Babbel https://www.youtube.com/watch?v=LmD7a2W3t10 

https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/wal-liveblog--aktion-soll-sofort-starten---das-sind-die--retter--37250004.html 

Sonar problematisch für Wale https://www.whywar.at/folgen/umwelt/zerstoerung-von-ressourcen-und-lebensraeumen/tierwelt/sonar-als-gefahrenquelle-fuer-wale-und-delfine/ 

"...fehlte für die vorgesehene technische Konstruktion die notwendige Zulassung für den Seeverkehr, sodass eine Umsetzung nicht möglich war." https://www.regierung-mv.de/Aktuell/?id=219525&processor=processor.sa.pressemitteilung 

Auftraggeber zieht Antrag zurück - Keine Genehmigung für Huning - keine Freigabe:  https://www.facebook.com/huningunternehmensgruppe/photos/update-zum-laufenden-einsatz-walrettung-in-poel-eine-freigabe-zur-rettung-des-wa/1825517422110110/ 

Katamaran? (verworfene Idee) https://www.google.com/search?&q=katamaran+walrettung 

Privatinitiative will Wal retten - Pressekonferenz 15.04.2026, 15:00 Uhr Ort: Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Paulshöher Weg 19061 Schwerin 

Kritischer Blick auf die Biographien der Rettungsinitiativen-Mitglieder https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_101223794/wal-in-ostsee-vor-poel-betrueger-und-blender-uebernehmen-das-kommando.html  

Vergleichbare Walrettung in Australien zur selben Zeit funktioniert einwandfrei 

https://www.taskforce-artenschutz.de/publikationen/analyse-zum-fall-buckelwal-timmy

https://www.facebook.com/strandednolonger 

https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/meere/meeresschutz/irrwegen

https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/warum-stranden-wale/ 

https://www.theguardian.com/world/2026/apr/13/whale-stranded-in-baltic-beyond-saving 

geretteter Buckelwal 1985 https://en.wikipedia.org/wiki/Humphrey_the_Whale 

fb-Gruppe "Hilfe für Hope" https://www.facebook.com/groups/1641225857126609/ 

https://www.spektrum.de/news/erneuter-rettungsversuch-fuer-buckelwal-timmy-genehmigt/2319762 

https://de.whales.org/2026/04/22/buckelwal-timmy-interview-mit-strandungs-expertin/ 

An was scheiterten Rettungsanträge juristisch? 

"Fehlende Antragsbefugnis" - tierfeindliche Gesetzgebung https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/wal-timmy-recht-auf-tier-rettung-eilantraege-abgelehnt-vg-schwerin 

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